Der Absturz eines US-Bombers bei Bussin

Der Absturz eines US-Bombers bei Bussin

Die B-24 “Liberator”
Am 4. August 1944 startete die US- Airforce mit hunderten Flugzeugen einen Bombenangriff auf die Heinkel-Flugzeugwerke in Rostock. Dieser Einsatz schien eine leichte Routineaktion zu werden. Die US-Militärs rechneten mit nur geringer feindlicher Fliegerabwehr. Aber es kam vollkommen anders als gedacht. Insgesamt wurden 15 Bomber abgeschossen.

Eine der Maschinen, eine viermotorige “Liberator” B-24, wurde von dem 26-jährigen Leutnant James L. Cole gesteuert. Mit seiner Besatzung hatte er schon neun erfolgreiche Einsätze über Deutschland absolviert.

Nach dem Start in England und einem Flug über die Nordsee wurde kurz vor 14 Uhr das Ziel Rostock in einer Höhe von rund 7 000 Metern erreicht.

Der Bombenschütze hatte gerade die Bombenlast über dem Zielgebiet abgeworfen, als das Flugzeug von einem Flak-Geschoß getroffen wurden. Die Explosion riß genau hinter dem Platz des Co-Piloten ein großes Loch in die Bordwand. Sofort breitete sich im Flugzeug ein Feuer aus. Ein Bordschütze und der Funker mußten daraufhin mit dem Fallschirm abspringen. Das rechte Triebwerk war auch beschädigt und begann zu brennen. Cole scherte mit seiner “Liberator”aus und verließ qualmend und mit starkem Höhenverlust die Bomberformation. Die Besatzung versuchte das Feuer an Bord zu löschen. Pilot Cole hielt dabei das Flugzeug so gut wie es ging unter Kontrolle. Als das Feuer aus war, hatte die Maschine viel an Höhe verloren und auf 1000 Metern gesunken. Dann setzten auch noch zwei weitere Triebwerke aus. An eine Rückkehr nach England war so nicht mehr zu denken. Mit einer Kursänderung wollte Pilot Cole deshalb versuchen, noch das neutrale schwedische Territorium zu erreichen. Als die Maschine dem Erdboden immer näher kam, befahl er den restlichen Männern, mit dem Fallschirm abzuspringen. Der Besatzung verblieben nur noch wenige Minuten zum Notabsprung.Während der Pilot das Flugzeug in einer stabilen Lage hielt, konnten alle Männer die Maschine verlassen. Pilot Cole verließ als Letzter das brennende Flugzeug mit dem Fallschirm. Aber die Höhe war schon zu gering um seinen Sturz zu bremsen. Er überlebte den Aufprall nicht. Man fand seinen aufgerissenen Körper unweit des Wracks auf einem Feld zwischen Bussin und Lendershagen. Ein Bordschütze und der Funker hatten den Notabsprung auch nicht überlebt. Die restlichen sieben Besatzungsmitglieder landeten unversehrt mit dem Fallschirm auf einem Acker. Sie wurden kurz darauf zwischen Hövet und Velgast gefangen genommen. Nach Kriegsende kehrten sie in ihre Heimat zurück.

Der Leichnam von Leutnant James L. Cole wurde auf dem Velgaster Friedhof beigesetzt. Zwei Jahre nach Kriegsende wurde er von den US-Militärbehörden exhumiert. Seine letzte Ruhestätte fand er 1949 auf dem Jefferson Barracks Nationalfriedhof in St. Louis im US-Staat Missouri.
Abschußmeldung der Luftwaffe
von Manfed Rassau 2017
Quellen:
MACR 7709, KU Report 2656, U.S. National Archiv
Auskünfte von Edith Schult, Irmgard Vespermann, Joachim Wulff aus Velgast
Auskünfte von Frau Erika Eberhard aus Bussin